Sprich mit, gestalte mit! Wenn Jugend Politik an einen Tisch holt
Jugendpolitischen Forum 2026 „Sprich mit, gestalte mit!“ am 22. August in Dresden Weißer Hirsch
Wie verlässlich ist Jugendarbeit, wenn im sächsischen Haushalt um Fördermittel gerungen wird? Was passiert mit überregionalen Angeboten und Jugendverbänden, wenn Mittel fehlen? Wie gelingt echte Teilhabe? Und wo können junge Menschen tatsächlich mitentscheiden?
Darüber diskutierten junge Menschen beim Jugendpolitischen Forum 2026 „Sprich mit, gestalte mit!“ am 22. August in Dresden Weißer Hirsch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung.
Mit dabei waren Christin Melcher MdL von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Frank Kromer MdL von der CDU, Dr. Ingolf Huhn MdL vom BSW, Hendrik Müller von der SPD Dresden sowie Claudia Creutzburg aus dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Moderiert wurde der Abend von Celina Hertel, Vorsitzende der Landesjugendkammer der Evangelischen Jugend in Sachsen, und Steffen Göpfert, Referent für gesellschaftspolitische Jugendbildung bei der Evangelischen Jugend in Sachsen.
Die Themen kamen von den jungen Menschen selbst. Mitglieder des Landesjugendkonvents eröffneten den Abend mit Impulsen zu Finanzierung und Kürzungen in der Jugendarbeit, Barrierefreiheit, Inklusion und sozialer Teilhabe, Jugendbeteiligung sowie Klima und Nachhaltigkeit. Danach ging es in zwei Gesprächsrunden direkt in Kleingruppen.
Was einmal weg ist, wächst kaum wieder
Besonders aktuell war die Diskussion um die Finanzierung der Jugendarbeit. Im Regierungsentwurf für den sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 soll die kommunale Jugendpauschale auf 16 Millionen Euro jährlich steigen. Gleichzeitig sinken die geplanten Zuschüsse für die überörtliche Jugendhilfe von 8,20 auf 7,67 Millionen Euro. Bei den Investitionen im überörtlichen Bedarf ist sogar ein Rückgang um rund 46 Prozent vorgesehen.
Gerade die überörtliche Förderung ist für landesweit tätige Jugendverbände, Dachorganisationen, Fachstellen und überregionale Angebote von Bedeutung. Genau hier setzte die Diskussion des Forums an. Die jungen Menschen formulierten deutlich: Kinder und Jugendliche sollten ein Anrecht auf ausfinanzierte Jugendarbeit haben. Im Gespräch ging es konkret darum, wie überregionale Angebote und insbesondere die Qualifizierung Ehrenamtlicher verlässlich gesichert werden können.
Ein Teilnehmer brachte die Sorge auf den Punkt: „Was einmal weg ist, wächst kaum wieder!“ Auch Hendrik Müller unterstrich die Bedeutung der Qualifizierung. Der Landesjugendkonvent will deshalb die Haushaltsberatungen weiter begleiten und mit jugendpolitischen Sprecherinnen und Sprechern im Gespräch bleiben. Die Zahlen für 2027 und 2028 stammen aus dem Regierungsentwurf vom 3. Juli 2026. Die parlamentarischen Beratungen stehen noch aus.
Teilhabe muss praktisch werden
Beim Thema Barrierefreiheit und soziale Teilhabe war ein Gedanke zentral: Politik kann Prioritäten setzen und Mehrheiten können etwas verändern.
Als konkreter Ansatz wurde ein Sondervermögen für barrierearmes Bauen und Leben diskutiert. Der Landesjugendkonvent will selbst aktiv werden, Gespräche mit Abgeordneten führen und Petitionen als politisches Instrument nutzen.
„Ernst genommen werden in den Strukturen“
So lautete ein zentraler Satz aus der Diskussion zur Jugendbeteiligung. Beteiligung braucht Haltung, muss tatsächlich nutzbar sein und braucht manchmal auch Fantasie und Hartnäckigkeit.
Als nächste Schritte wurden ein Kinder und Jugendbeteiligungsgesetz, transparente Beteiligungsstrukturen, mehr Präsenz in Schulen und eine stärkere Vernetzung vorhandener Angebote genannt. Dazu kam ein pragmatischer Satz: „Einfach anfangen“, auch wenn noch nicht alles fertig geregelt ist. Und ein weiterer Gedanke blieb hängen: „Demokratie muss man lernen.“ Sie beginnt nicht erst mit 18, sondern braucht bereits im Kindes- und Jugendalter Orte, an denen Mitbestimmung tatsächlich erlebt werden kann.
Klima wird vor Ort konkret
Beim Thema Klima und Nachhaltigkeit ging es unter anderem um besseren und langfristig günstigen ÖPNV im ländlichen Raum, Begrünung, die finanzielle Ausstattung der Kommunen und Bürgerräte als Möglichkeit, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Für den Landesjugendkonvent entstand daraus ein eigener Auftrag. Genannt wurden Generationengespräche, Petitionen, weitere Gespräche mit politischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern und die „Erhaltung der Schöpfung“ als Thema Evangelischer Jugend.
„Nicht die Geduld verlieren“ und „Steter Tropfen“ waren zwei der Sätze, die am Ende auf dem Ergebnisbogen standen. Politik soll nicht nur bis zur nächsten Wahl denken. Und junge Menschen wollen weiter nachfragen.
Vom Mitreden zum Mitgestalten
Das Forum sollte bewusst nicht bei einem guten Gespräch stehen bleiben. In allen Gruppen wurde deshalb gefragt: Was ist unser Punkt? Was ist der nächste Schritt? Wen nehmen wir beim Wort? Und woran bleiben wir selbst dran?
Gerade die Diskussion um die Finanzierung der Jugendarbeit zeigt, warum das wichtig ist. Haushaltsentscheidungen wirken am Ende ganz konkret darauf, ob Jugendverbände arbeiten, Ehrenamtliche qualifiziert und überregionale Angebote durchgeführt werden können.
Genau deshalb will der Landesjugendkonvent weiter hinschauen, nachfragen und das Gespräch mit Politik suchen.
Denn mitreden ist wichtig. Entscheidend ist, was danach passiert.

