GEFÄHRLICHE NÄHE

Ergebnisse des deutsch-slowakischen Frauenfachkräfteaustausches zu häuslicher Gewalt und ihren Spätfolgen im September 2011
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Der Fachkräfteaustausch mit Sozialarbeiterinnen aus Bratislava behandelte das schwere und herausfordernde Thema »Häusliche Gewalt und ihre Spätfolgen«.

Im ersten Teil des Fachkräfteaustausches in Bratislava im Oktober 2010 dienten Bilder aus Spielfilmen als Grundlage für die künstlerische Arbeit – Filmszenen, die von Gewalt an Frauen und Kindern in der Familie handelten. Die Fachkräfte schauten sich diese gemeinsam an und diskutierten die unterschiedlichen Perspektiven. Anschließend wurden einzelne Bilder ausgewählt, die den Moment vor und nach der Gewalterfahrung zeigen, verschiedenen Momente und Möglichkeiten der Figuren in der filmischen Handlung. Durch die Übermalung der ausgedruckten Filmstills konnten die slowakischen und deutschen Fachkräfte ihrem subjektiven Blick und ihren persönlichen Assoziationen zur Thematik Ausdruck verleihen. Aus den individuellen Arbeiten als Vorlagen wurden zwei großformatige Gemeinschaftsarbeiten komponiert und als Acrylmalerei auf Leinwand übertragen. Diese Ergebnisse konnten bereits in der Jugendbegegnungsstätte KROK der evangelischen Diakonie in Bratislava ausgestellt werden.

Der darauf folgende Kunstworkshop in Dresden im September 2011 knüpfte inhaltlich und formal an die bisherige gemeinsame Erfahrungen an. Das Vorwissen über häusliche Gewalt und psychische Folgen konnte nun vorausgesetzt werden. Die Inhalte wurden, wie in Bratislava, durch Besuche von entsprechenden Einrichtungen vertieft.

Im Kunstworkshop in Dresden stand das Thema »Nähe- und Distanz« als Grundproblem und Ursache für Beziehungskonflikte, Aggression und Gewalt im Zentrum.

Bewegungsworkshop mit Marlen Schumann

Am ersten Tag führte die Leipziger Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Marlen Schumann durch einen Bewegungsworkshop in die Thematik ein.
Es wurden Grenzen zwischen Nähe und Distanz beim Gehen durch den Raum ausgelotet.
Während ein Teil der Gruppe die Bewegungsübungen im Raum vollzog, zeichnete der andere Teil die Bewegungen aus der Beobachtung heraus in Tusche auf Chinapapier.

Die Frauen empfanden diesen Einstieg als sehr gelungen, als herausfordernd, aber auch entspannend. Alle Frauen haben sich sehr intensiv auf die Übungen eingelassen und sind sich dabei einander begegnet. Die hier erfahrenen Situationen ließen sich im Gespräch auf Alltagssituationen übertragen und die Teilnehmerinnen empfanden den Workshop als anregend, um alltägliches Verhalten zu analysieren und andere Lebenswirklichkeiten besser zu verstehen.

Collageworkshop mit Verena Landau

Das Thema »Nähe und Distanz« bildete auch den thematischen Hintergrund für den größeren Teil des Kunstprojekts, den Collageworkshop mit Verena Landau. Die Künstlerin und Kunstpädagogin führte durch einen Vortrag über die Collagen der Dada-Künstlerinnen in die Thematik ein. Es ging darum, zu verdeutlichen, wie diese Künstlerinnen der Avantgarde des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf eine Kultur der Gewalt mit traditionellen Kunstformen brachen, um Bilder aus der Alltagswelt zu zerschneiden und mit neuen Bedeutungen zusammenzufügen. Heute nennt man diese Methode »cut and paste« oder Copy-Art.

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Die deutschen und slowakischen Frauen hatten bereits aussagekräftiges Bildmaterial aus Zeitungen mitgebracht und fotokopiert. Im Format Din-A3 entstanden nun Kombinationen aus Bild und Text, die sowohl individuelle als auch gesellschaftsrelevante Aussagen verknüpften. Die Plakate der Multiplikatorinnen berühren und verstören durch subtile Andeutungen, aufgeworfene Fragen und ironische Kommentare. Die Reduktion auf Schwarz-Weiß und wenig Farbe unterstützt die Kraft der jeweiligen Aussage. Es zeigte sich in der Auswertung, dass die Frauen etwas von der Einführung zu Dada und den Anleitungen von Verena Landau mitnehmen konnten – jedoch ohne Vorbilder zu imitieren, sondern im Erkunden einer eigenen Bildsprache, die dem jeweiligen Themenaspekt entsprach.

Die Fachkräfte äußerten in der abschließenden Auswertung des Projektes, dass sie Anregungen und Impulse für ihre eigene Arbeit im sozialen und therapeutischen Bereich mit von Gewalt Betroffenen erhalten haben.
 
Ausstellung in Dresden
 
Die Arbeitsergebnisse werden derzeit im Rahmen einer Ausstellung in der Ev. Jugendbildungsstätte »Weißer Hirsch« in Dresden gezeigt (Dresden, Heideflügel 2, 01324 Dresden, erreichbar mit Tram 11).
Nach der öffentlichen Vernissage am 26.09.2011 steht die Ausstellung den Gästen der Jugendbildungsstätte offen. Auch andere Interessierte können die Ausstellung besuchen, um eine kurze Anmeldung per Mail oder telefonisch wird gebeten (jugendbildungsstaette@evlks.de, Tel. 0351 267681)

Projektleitung:     Heike Siebert, Landesjugendpfarramt Dresden
                          Radoslav Gajdos, Ev. Diakonie, Bratislava, Slowakei