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Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf.
Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
1. Kor 10, 23-24 Ich schreibe diese Zeilen unmittelbar vor dem 13. Februar. Wir diskutieren gerade heiß, ob es angebracht ist, gegenüber geplanten Nazidemonstrationen sogenannte „Christliche Blockadepunkte“ einzurichten oder ob dieser zivile Ungehorsam das Demonstrations- bzw. Versammlungsrecht unangemessen verletzt.
Andere aber sind viel mehr damit beschäftigt, wie der Kirchenleitungsbeschluss zum Zusammenleben homosexueller Paare im Pfarrhaus einzuordnen ist. In beiden und vielen anderen Fällen wird sich auf das Gewissen bezogen – in der Regel auf das eigene. Woher das Gewissen seine Bindung bekommt, scheint auf den ersten Blick klar: aus der Heiligen Schrift. Die aber gibt manchmal keine konkreten Antworten, so eben auch nicht auf die Frage, ob Christen Nazidemos blockieren oder „nur“ in Sicht- und Hörweite protestieren sollten. Genauso wenig weist die Bibel an, wie Homosexuelle mit ihrer Orientierung umgehen sollen und ob eine solche Partnerschaft auch ins Pfarrhaus gehört.
Deshalb suchen Christen nach übergeordneten Handlungsleitlinien, die bei der konkreten Entscheidungsfindung helfen. Eine solche formuliert Paulus in 1. Korinther 10. Zunächst räumt er unter Bezugnahme auf das eigene Gewissen quasi alle Verbote beiseite, um Freiheit von falscher Buchstabenfrömmigkeit zu schaffen. Alles ist erlaubt! Das ist ein Paukenschlag! Dann aber ist es Paulus wichtig, dass wir vom Ergebnis unseres Tuns her nach dem Nützlichkeits- und Erbauungsfaktor fragen. Schließlich gilt es auch, nicht völlig auf das eigene Gewissen fixiert zu sein, sondern auch das Ergehen anderer Betroffener im Blick zu behalten. Insgesamt ist das ganz schön kompliziert, oder? Wer will schon vorher so genau wissen, was ein konkretes Verhalten am Ende bewirken wird? Und: Auf wen muss man denn alles Rücksicht nehmen? Manchmal wirft man uns Evangelischen vor, wir hätten keine „richtige“ Ethik. Nein, ganz so ist es nicht. Wir machen uns aber die Mühe, immer neu herauszufinden, was jetzt, hier und heute dem Zeugnis der Heiligen Schrift entspricht. Da kann man auch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wenn wir dabei auf einander achten, ist das eine wunderbare Freiheit! Tobias Bilz, Landesjugendpfarrer |



