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Jugendaustausch zwischen Papua-Neuguinea und Sachsen

veröffentlicht um 11.11.2011 03:03 von Christiane Thomas   [ 16.11.2011 23:49 wurde aktualisiert. ]
gemeinsames Musizieren und Interkultureller Abend in Freiberg- Jugendaustausch mit Papua-Neuguinea, Juli 2011
Jugenddankopfer-Sonderzweck 2009 "Musikinstrumente für Jugendliche in Papua-Neuguinea" ist Auslöser für neue Jugend-Partnerschaft
 “Papa God yu Bikpela, yu gat strong olgeta…” so lautet unsere gemeinsame Hymne! Drei Wochen Jugendaustausch und viele Lieder und Melodien später klingen die Zeilen noch immer nach. Sie wurden für diesen ersten Jugendaustausch von den Gästen geschrieben und komponiert - als Ausdruck der Verbundenheit und Freude über das Zugastsein.

Je sieben Jugendliche aus dem Kirchenbezirk Freiberg und aus Papua Neuguinea (PNG) nahmen vom 29. Juni bis zum 20. Juli an der ersten internationalen Jugendbegegnung „..there will be your heart also“ zwischen diesen beiden Ländern teil.

Hervorgegangen ist dieser Jugendaustausch aus dem Sonderzweck des Jugenddankopfers, das die Evangelische Jugend Sachsen im Advent 2009 für Musikinstrumente in PNG sammelte. Alle Jugendlichen dort sollen die Möglichkeit haben, Gitarre, Keyboard und Bass zu lernen und gemeinsam in ihrer Gemeinde zu musizieren. Ein extra für dieses Projekt angestellter Kirchenmusiker, der auch aus Mitteln des Jugenddankopfers finanziert wird, bringt die Instrumente in die einzelnen Kirchenbezirke und lernt die Jugendlichen in einem Workshop an. So erhält jeder der 17 Kirchenbezirke der Evangelischen-Lutherischen Kirche in PNG nach und nach ein Bandset.
Nach der Sammlung des Jugenddankopfers intensivierte sich für die sächsischen Jugendlichen der Kontakt zu dem fernen Land, das mitten im Pazifik auf der anderen Seite der Welt liegt. Ende 2010 wurde die Einladung ausgesprochen, eine Gruppe christlicher und musikbegeisterter Jugendliche der Evangelical Lutheran Church of Papua Newguinee (ELC-PNG) in Sachsen empfangen zu wollen. Im Sommer 2011 war es soweit: nach 32 Stunden Flug wurden die acht Gäste am Flughafen Dresden in Empfang genommen. Der Jugendaustausch konnte beginnen.

Die deutschen Gastgeber/innen zeigten den Jugendlichen aus PNG ihr Leben: mit Besuchen ihrer Schule, Familie, Freunde und Junge Gemeinde.

Unter der Leitung des deutschen und des neuguinesischen Jugendmusikers haben die Jugendlichen in täglichen Workshops musiziert, getanzt und miteinander Neues komponiert. Anja, eine 18-jährige deutsche Teilnehmerin, erinnert sich, was ihr am wichtigsten geworden ist:
„Die Liebe zu den Liedern aus PNG. Wir haben Liedtexte, Akkorde und Aufnahmen hierbehalten. Sie wecken in mir Erinnerungen an die Jugendbegegnung, sie geben mir ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit.“

Nachdenken über Ressourcen

Darüber hinaus wurden "Herzensorte" besucht, an denen die Teilnehmer/innen über das Thema Ressourcengerechtigkeit in Papua Neuguinea und Deutschland gelernt und diskutiert haben. Sie besuchten Bergwerke, stillgelegteKohleabbaugebiete und informierten sich im konsumkritischen Stadtspaziergang durch Dresden und einem Workshop zur Ressource Wasser. Dies wirkt bis heute nach.
„Ich bin sensibler für die Themen Ressourcengerechtigkeit, Armut und Konsumverhalte geworden. Das drückt sich z.B. in meinem überlegteren Kaufverhalten aus. Mich beschäftigt diese ungleiche Verteilung von Wohlstand in der Welt. Ich habe keine Lösungsvorschläge … , aber es bleibt die ganze Zeit im Hinterkopf. In mir ständig diese Frage präsent: Was kann ich mit meiner Leben, mit meiner Lebenszeit Sinnvolles tun, um Veränderung herbeizuführen?“ reflektiert Anja einige Wochen danach.
Gemeinsam Christ sein
Auch das gemeinsame Christsein war Inhalt vieler Gespräche. Zu Gast im Missionswerk Leipzig traf die Jugendgruppe Pfr. Tannhäuser als auch Pfr. Strobel und Matthias Tröger, einst Jugendwart in Freiberg und nun Jugendmitarbeiter in PNG. Eine Führung durch die hochinteressante Ausstellung „Um Gottes Willen“, welche die Missionsgeschichte Leipzigs darstellt, zeigte der international gemischten Gruppe miteinander ganz neue Perspektiven auf Mission.

Eine Plenumsdiskussion zum Thema „Zukunft unserer Jugendarbeit“ zeigte uns allen, dass die Chancen in beiden Kirchen vor allem in der Ausbildung Ehrenamtlicher und im gelebten Zeugnis des eigenen Glaubens liegen.
Gary, 20 Jahre alt, aus PNG, brachte es auf den Punkt: “We face the situation of too few young people in the both churches, in PNG and Germany. Our goal is to bring more young people into our church.” “ We need to find interesting activities and topics to invite young people to our church. We should involve more young people into our activities. Otherwise they meditate only about material things.” ergänzt die 21-jährige Salume aus PNG.
Den Anderen intensiv kennen lernen

Drei Wochen miteinander leben, das bedeutet, die unterschiedlichen Kulturen und Lebensstile kennen zu lernen, den gemeinsamen christlichen Glauben zu teilen, miteinander zu reden, zu lachen und zu beten. Drei Wochen, die bei den deutschen Jugendlichen und ihren Gästen tiefe Spuren hinterlassen haben.
Eine solche Begegnung kann das Leben und die Weltsicht, bzw. Weitsicht junger Menschen verändern.

Felix, ebenfalls 18 Jahre, meint: „Was sich geändert hat? Mein Bewusstsein. Jeder Mensch ist Mensch, egal woher er kommt, was er macht, wie er ausgebildet ist, keiner ist besser als der andere. Aber ich sehe eine tiefe politische Ungleichheit zwischen Norden und Süden.“

Die beiden Jugendgruppen sind als Botschafter ihrer eigenen Kulturen in Sachsen gelandet - und mit den Erfahrungen der anderen Kulturen wieder aufgebrochen. Sie haben nun die Möglichkeit, Brücken zu bilden, untereinander und für andere. Dieser Jugendaustausch wird ihre Einstellungen gegenüber Fremden verändern. Sie werden die Erfahrungen lange im Herzen behalten.

Und es geht weiter!

Neben einer Partnerschaftsgruppeim Kirchbezirk Freiberg ist ein nächster Jugendaustausch geplant. Der Kirchbezirk Freiberg schreibt: „Wir wünschen uns, dass zwischen unserem Kirchenbezirk und der evangelischen Jugendarbeit in PNG eine langjährige und fruchtbare Partnerschaft entsteht. Deshalb planen wir für 2012 eine Rückbegegnung, um das Leben unserer Freunde aus PNG kennenlernen zu können. Wir freuen uns über alle Jugendlichen und Erwachsenen, die den Jugendaustausch unterstützen möchten oder an einer Partnerschaft mit Papua Neuguinea interessiert sind. Ihr/ Sie sind in unserer Partnergruppe herzlich willkommen!“

Bernhard, 17 Jahre, freut sich bereits auf nächstes Jahr: „Ich habe eine tiefe Freundschaft zu meinem Gast aus PNG und den großen Wunsch, ihn wiederzusehen.“ und Felix bestätigt: „Schon jetzt habe ich große Vorfreude auf das Wiedersehen in PNG! Ich möchte die Leute nochmal umarmen und sehen, wie sie sich verändert haben.“

Die Jugendbegegnung „..there will be your heart also“ wurde veranstaltet durch die Evangelische Jugend im Kirchenbezirk Freiberg (Heike Gruhlke/ Andreas Hain), dem Landesjugendpfarramt Sachsen (Caroline Richter) und der ELC-PNG (Jacob Barka). Die Jugendbegegnung wurde finanziert durch das BMFSFJ, den EED, das Missionswerk Leipzig und das Landesjugendpfarramt Sachsen. Herzlichen Dank dafür!

Dresden, den 20.10.2011

Caroline Richter,
Referentin für Interkulturelle Bildung und Kulturarbeit
Landesjugendpfarramt Sachsen